Magdeburg 8.1.2022 Friedlich und unnötig viel Blaulicht

Magdeburg geht spazieren

Es ist Samstag, der 08.01.2021 um 3 Uhr und unser Bus startet Richtung Magdeburg zur angekündigten Gross-Demo. Ich sehe in gespannte Gesichter. Was wird uns erwarten? Werden wir überhaupt an den Veranstaltungsort gelangen? Wie wird die Situation vor Ort sein? Einige im Bus beschäftigt die Frage zur immer mehr ansteigenden Polizeigewalt. Aber ich sehe auch Hoffnung. Hoffnung darauf, dass sich nun doch etwas ändert. An der Lethargie der Menschen und an der derzeit betriebenen Coronapolitik. Gegen 10 Uhr treffen wir auf dem Domplatz ein.

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Der Platz erscheint leer und wunderschön weihnachtlich geschmückt neben dem imposant erscheinenden Dom. Direkt am Domplatz befindet sich das Bürgerdenkmal “Wir sind das Volk” zu Ehren der Montagsdemonstrationen. “ Das ist der richtige Platz für diesen Anlass heute” höre ich einen Teilnehmer sagen. So langsam füllt sich der Platz. Rund um den Platz stehen mehrere Kastenwägen der Einsatzpolizei und auch immer mehr Leute treffen ein. Auch eine kleinere Gegendemonstration positioniert sich auf dem Domplatz mit Plakaten auf denen Parolen stehen wie “ Die Rechten sind nicht die Lösung der Krise”. Die Bannerträger, blutjunge Teenager, rufen laut ihre Parolen und versuchen später sogar, durch die Polizeiabsperrung durchzubrechen, um zu der sattfindenden Demo durchzudringen. Erfolglos, denn die Polizei auf darauf vorbereitet. Dann ist wieder alles friedlich. Bei dem Veranstaltungswagen gibt es mehrere Redebeiträge, unter anderem von der Veranstalterin, die alle um einen friedlichen Verlauf bittet und darauf hinweist, dass von der Stadt Magdeburg Spaziergänge jeglicher Art über 10 Teilnehmern verboten wurden. Oliver Hilburger berichtet von den Auswirkungen der Coronapolitik auf die Wirtschaft und die direkt von der bevorstehenden Impflicht betroffenen Berufszweige. Im Anschluss an die Redebeiträge führt mich mein Weg zu den anderen Veranstaltungen, da noch weitere 3 Demonstrationen angemeldet waren. Doch soweit komme ich nicht, denn kurz vor dem Ziel treffen wir auf eine Absperrung, hinter der viele Menschen in die Stadt strömen. Man hört Trommeln, Musik und Sprechgesänge. “ Wir sind das Volk”, “ Freiheit, Solidarität, keine Diktatur” und “ Widerstad” werden laut. Es werden immer mehr Menschen und der Verkehr in der Innenstadt kommt zum Erliegen. Anfangs versucht die Polizei noch mit Blockaden, die Menschen am Weiterlaufen zu hindern, doch schnell merken sie, dass dieses Unterfangen sinnlos ist. Die Menschen lassen sich nicht mehr aufhalten, aber auch nicht provozieren. An der Blockade angekommen, ändert der gesamte Zug spontan die Richtung und zieht einfach an der Polizei vorbei. Statt Aggressionen hört man nur lauter werdende Gesänge. Die Stimmung, die in der Luft liegt, erinnert an 1989, nur wesentlich entschlossener. Es werden immer mehr Menschen. Sie kommen aus allen Richtungen, aus den Häusern, lassen teilweisen ihr Auto am Rand stehen und laufen einfach mit. Die Polizei hat die Blockaden aufgegeben und läuft an den Seiten einfach mit oder steht am Straßenrand. Der Zug windet sich durch die imposante Innenstadt, quer durch Wohngebiete und landet mit mit Nenas Lied „Wunder geschehen“ am Domplatz. Hier richtet Oliver Hilburger erneut das Wort an die Menschen und macht deutlich, daß er hinter den Menschen mit ihrer Verzweiflung und ihrem Unverständnis gegenüber der praktizierten Coronapolitik steht und es nun mittlerweile genug geredet wurde. Jeder solle nun wissen, um was es geht und es wird Zeit, dass die Menschen wieder gehört und wahrgenommen werden. Der Zug zieht weiter und ich lasse mitreißen und laufe einfach weiter mit. Mir kommen Erinnerungen an die Montagsdemos in meiner Jugend hoch und ich bin beeindruckt, wie entspannt und friedlich die Menschen hier miteinander laufen.


In den Gesprächen mit den Leuten höre ich zum einen die allgegenwärtige Angst vor dem Existenzverlust, aber auch das Unverständnis an den Entscheidungen der Regierung. Einheitlich berichten die Leute von den Widersprüchen, die sich in den Beschlüssen wiederfinden und die Angst vor den Impfstoffen, denen die Menschen auch aufgrund der ewigen Irrungen und falschen Versprechungen zu deren Wirksamkeit sie nicht vertrauen können. Auch der immer stärker werdende Druck durch die Behörden erweckt eher Misstrauen als Vertrauen. So langsam fängt es an zu dämmern und der Zug bewegt sich zum wiederholten Male durch die Stadt. Über dem Zug kreist ein Hubschrauber. Mehrere Einsatzwagen der Polizei fahren am Zug vorbei und teilen ihn. Nun versucht man hier massiv, dem Ganzen ein Ende zu setzen. Der Zug teilt sich auf. Ein großer Teil zieht erneut in eine andere Richtung ab, viele Leute aber gehen Richtung Innenstadt zurück. Überall in der Stadt stehen verteile Gruppen und unterhalten sich angeregt. Man hört Menschen lachen und singen. An den Ufern der Elbe versammeln sich ebenfalls mehrere Gruppen. Vorsicht vor zu viel Vertrauen und engen Gassen Auf dem Rückweg zum Bus fällt mir ein Zug von Menschen auf. Sie ziehen immer noch ihre Runden, begleitet von der Polizei, die nur noch auf einer Seite mitläuft und sich gelegentlich mit den Teilnehmern des Zuges unterhält. Es sieht so aus, als würde nun auch die Polizei die Richtung des Zuges vorgeben. Gemeinsam geht es über eine enge Treppe hinauf Richtung Domplatz, wo die Veranstaltung dann wohl zu Ende gehen soll. Überall wird sich freudig über den Tag und den friedlichen Verlauf gesprochen und immer noch hört man die Trommeln und Sprechgesänge. Schlagartig kommt der Zug zum Stehen. In einer engen Gasse, dem Zugang zu Domplatz, halt die Polizei eine Blockade aufgebaut. Die Einheiten, die eben noch entspannt mit uns gelaufen sind, verteilen sich blitzschnell und machen auch nach hinten alles dicht. Wir sind schlagartig eingekesselt, völlig grundlos. Uns wird mitgeteilt, dass wir hier so schnell nicht mehr rauskommen werden. Hier scheint der Zug bewusst in eine Falle geführt worden zu sein. Nun wird auch der Ton der Gruppe lauter und fordert den freien Weiterzug. Ich schaffe es irgendwie da raus und beobachte das ganze nach einer halben Stadtwanderung von der anderen Seite der Blockade.

Hier zeigt sich die Polizei sehr negativ. Vehement versuchen sie, Beobachter, auch Reporter, vom Kessel wegzuhalten. Ein Mann, der sich dem Einsatzwagen, in dem von den eingekesselten die Personalien festgestellt werden, zu nahekommt, bekommt die Fahrzeugtür von einem Polizisten mit den Worten “ Verpiss Dich” an den Kopf geknallt und wird dabei verletzt. Natürlich kann man hier sagen, er hat da auch nicht so nahe zu kommen, wenn da ein Einsatz läuft. Das mag stimmen, aber muss man Seitens der Polizei gleich mit Gewalt antworten? Ein Platzverweis wäre hier richtig und ausreichend gewesen. Ein anderer Mann steht blutend am Einsatzwagen. Aus einer Platzwunde an seinem Kopf läuft Blut über sein Gesicht. Er wird von mehreren Polizisten mit Lampen angeleuchtet, bekommt aber keine Hilfe. Was dem vorausging, ist nicht bekannt. Ein Krankenwagen wurde für ihn allerdings nicht geholt. Nach und nach wurden die Personalien der eingekesselten Demoteilnehmer festgestellt. Das dürfte sich noch über mehrere Stunden hingezogen haben, denn es wurden mehrere hundert da drin festgehalten. Für unsere Gruppe im Bus ging ein Ereignis- und eindrucksreicher Tag zu Ende und unser Bus fuhr wieder ab in Richtung Heimat.

Text: Christiane Schmauder
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