Bekam Anis Amri Hilfe aus einer arabischen Grossfamilie?

Der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz Anis Amri, soll Unterstützung von einer arabischen Großfamilie erhalten haben. Das behauptet ein V-Mann des Verfassungsschutzes aus Mecklenburg-Vorpommern.

Das Bundeskriminalamt ermittel noch immer, obwohl der Fall längst abgeschlossen sein sollte. Durch einen Whistleblower aus Norddeutschland gelangten die Ermittler an neue Hinweise.

Im Oktober vergangenen Jahres meldete sich ein ehemaliger Mitarbeiter des Landsamtes für Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern mit neuen Hinweisen beim Generalbundesanwalt. Er habe Informationen die zur Aufklärung des Falles beitragen könnten, erklärte der Beamte. Bereits Anfang 2017  gab es brisante Nachrichten zum Attentäter und möglichen Helfern in Berlin.

Diese Informationen seien damals nicht an die Strafverfolger weitergeleitet worden. Sein Vorgesetzter habe dies untersagt, behauptete der Ex-Verfassungsschützer.

Der Vorwurf der Vertuschung steht im Raum. Wurden von den Schweriner Verfassungsschützern Informationen zurückgehalten?

Der Untersuchungsausschuss im Bundestag hat sich zwischenzeitlich der Sache angenommen. Im September soll der Whistleblower als Zeuge befragt werden. Staatsanwälte beim Generalbundesanwalt haben bereits mehrere Zeugen befragt. Unter anderem wurden der V-Mann sowie der ehemalige Verfassungsschützer befragt. Es sollen umfangreiche Angaben gemacht worden sein, vom V-Mann. Zu Amri und  möglichen Unterstützern in Berlin.

Es soll dabei um Mitglieder einer arabischen Großfamilie gegangen sein. Von Waffen und einem Fluchtauto war offenbar die Rede.

Die Aussagen des V-Mannes haben einige Brisanz: Hatte Amri vielleicht doch Unterstützer? Und kamen die Helfer aus einem arabischen Clan? Amri war als Drogendealer tätig und verfügte auch über Kontakte ins arabische Clan-Milieu. Hinzu kommt, dass Amris Flucht nach dem Anschlag am Abend des 19. Dezember 2016 noch immer nicht vollständig aufgeklärt werden konnte. Bis heute ist beispielsweise unklar, ob ihm nicht dabei geholfen wurde, aus Berlin zu fliehen.

Nach dem Attentat floh Amri zunächst nach Nordrhein-Westfalen und anschließend über die Grenze in die Niederlande, nach Belgien und Frankreich bis er am frühen Morgen des 23. Dezember 2019 in Italien beim Schusswechsel mit einer Polizeistreife getötet wurde. Amri reiste meist mit dem Zug und wurde von Überwachungskameras auf den Bahnhöfen gefilmt – etwa in Amsterdam, in Brüssel oder Mailand.

Bis heute ist unklar, wie die erste Etappe der Flucht Amris ablief. Wie kam er von Berlin nach NRW? Wurde er von einem Helfer chauffiert? Das BKA geht den neuen Erkenntnissen aus Schwerin nach. Allerdings ist es 4 Jahre nach dem Anschlag schwierig, Informationen zu überprüfen. „Klar ist jedoch: Wären die Hinweise des V-Mannes aus Mecklenburg-Vorpommern kurz nach dem Anschlag an das BKA übermittelt worden, hätten vermutlich andere Maßnahmen ergriffen werden können. Es wären wohl weitere Zeugen befragt und Örtlichkeiten abgeklärt worden.“

Von den besagten Treffen zwischen dem Verfassungsschützer und seinem V-Mann sollen seinerzeit nur ein „Treffbericht“ angefertigt worden sein, in denen lediglich Zeit und Ort des Treffens vermerkt ist. Die sonst übliche „Deckblattmeldung“, in der notiert ist, was die Quelle berichtet, soll es nicht geben – angeblich, weil ein Vorgesetzter dies untersagt haben soll.

Sicherheitsbeamte gehen von einem „schweren Versäumnis im Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern aus.“ Die Hinweise der Quelle hätten auf alle Fälle an die Ermittler weitergeleitet werden müssen. Dem Bundesamt für Verfassungsschutz hätten die Informationen ebenfalls zugänglich gemacht werden müssen. „Dort interessiert man sich schon seit einiger Zeit für mögliche Verbindungen zwischen Islamisten und arabischen Clans in Berlin.“

Vom Schweriner Innenministerium gibt es keinen Kommentar

Eine Sprecherin des Innenministeriums Mecklenburg-Vorpommern teilte auf Anfrage mit, zu „internen Entscheidungsprozessen innerhalb des Verfassungsschutzes“ erteilte man „grundsätzlich keine Auskunft“.

Quelle: Tagesschau

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  • Breitscheidplatz: Screenshot